Kiga Krippe Kita gemeinsam KITA: Schnecken 2019

Abschlussgeschichte über ein Jahr mit unseren afrikanischen Achatschnecken

Eines Tages erhält die Leitung unserer Kita ein Geschenk von einer anderen Kita: sieben afrikanische Achatschnecken. Was tun damit? Schnell entsteht die ungewöhnliche Idee, die Schnecken in der Kita zu halten, um sie zu studieren und zu beobachten. Erst machen wir uns kundig, was Schnecken dieser Art so benötigen, um zu wachsen und zu gedeihen. Wir organisierten ein Terrarium und wählen bewusst von Anfang an einen zentralen Wohnort: die große Fensterbank im Eingangsbereich. Und sofort kommen die Kinder, fragen neugierig, was wir vorhaben, was die Schnecken hier machen und „Schwupps“ haben wir das Projekt „Schnecken in unserer Kita“. Die tägliche Pflege, Fütterung, Reinigung der Erde und der Glasscheiben des Terrariums, ist immer magischer Anziehungspunkt für neugierige und hilfsbereite Kinder. Aus den Fragen und Kommentaren der Kinder entstehen spannende Aktionen:

  • Bei „Wir geben unseren Schnecken Namen“, fungieren interessierte Kinder zu Namensgebern für „ihre Schnecke“ oder wählen bekannte Namen aus einem Musical - es entstehen also verschiedene Schneckenpatenschaften. Die Namen werden auf die Schneckenhäuser geschrieben – ab jetzt gibt es eine Mia, eine Lea, einen Steven….
  • Die Schnecken besuchen verschiedene Stuhlkreise und werden für manchen zur Mutprobe oder Begegnung der ganz anderen Art: Traust du dich eine Schnecke anzufassen? Oder bist du sogar so tapfer, eine Schnecke auf deine Hand zu setzen? Beschreibe in deinen Worten wie sich das anfühlt? Am Ende trauen sich natürlich fast alle.
  • Die Kinder können die Schnecken mit dem Holzdeckel, der das Terrarium abdeckt, transportieren – es entsteht also eine Art Schnecken-Taxi, und so werden sie an unterschiedliche Orte gebracht, auf den Fußboden, in den Flur oder nach draußen, zum genauen, hautnahen Inspizieren.
  • Wichtige Themen der Beobachtung sind, wie die Schnecken fressen, wie sie sich fortbewegen, sie übereinander kriechen, wie sie ihre Fühler einziehen und ausfahren, wie Schnecken auf Toilette gehen, wie sie Eier legen, u.v.m. Und ein ganz besonderes Highlight: Man kann so eine Schnecke sogar selbst füttern.
  • Dann gibt es noch den bewachten Freigang auf der Wiese im Garten – unter Aufsicht der Kinder nach dem Motto: „Aufpassen, dass nichts passiert!“
  • Wie legen eigentlich die Schnecken ihre Eier, und was passiert dann mit den Eiern? Es wird spekuliert und verrückte Ideen entstehen, und dann ist es am Ende ganz anders, auch ein bisschen ekelig aber garantiert etwas, worüber man zu Hause unbedingt berichten sollte.
Alle Aktionen werden von den Kindern begleitet, und sind immer Ort ganz vielfältiger und inspirierender Sprachanlässe. Und dann ist da noch der Tod einer kleinen Schnecke, der zum Thema wird: Worte, Sätze, Fragen sind Ausdruck ganz unterschiedlicher Emotionen der Kinder – „…die Elsa, die ist jetzt weg, und die kommt auch nicht wieder“.

Ein Jahr lang haben wir das Heranwachsen beobachtet, und jetzt fallen sie eine nach dem anderen in den Winterschlaf. Hier endet die Geschichte, bis sie irgendwann alle wieder aufwachen - hoffentlich.

Alzey, den 16.11.2019
Iris Possmann